
Eine für Alle
„Eine für alle – Die inklusive Schule für die Demokratie“ ist Name und Ziel eines Verbunds von sechs Organisationen, zu denen neben dem NRW-Bündnis „Eine Schule für alle“, Gemeinnützige Gesellschaft Gesamtschule - Verband für Schulen des gemeinsamen Lernens e.V. (GGG), Gewerkschaft für Erziehung und Wissenschaft (GEW), Aktion Humane Schule e.V. (AHS) und Politik gegen Aussonderung (PogA) auch der Grundschulverband e.V. (GSV) gehört.
„An der Überwindung des gegliederten Schulwesens mitzuarbeiten und dafür gesellschaftliche Mehrheiten zu gewinnen“, war Gründungsgedanke des Bündnisses im Anschluss eines bundesweiten 2-tägigen Kongresses 2016 an der Universität Frankfurt/M. Das Bündnis arbeitet seitdem regelmäßig in einer acht-köpfigen Arbeitsgruppe. Zu den Aktivitäten gehören:
- 26.03.2026 bundesweite Fachtagung in Kooperation mit der Evangelischen Hochschule Darmstadt
- 2021 Interaktive Theaterperformance zu „100 Jahre Schulreform in Deutschland – wie geht’s weiter?“ mit dem Legislativen Theater Berlin (wegen Corona digital angeboten).
- 2019 und 2015 Experten-Kolloquien zur Transformation des Deutschen Schulsystems
- Veröffentlichung einer Schriftenreihe (s. Abb.) mit jeweils einem Heft-Schwerpunkt zu einer inklusionsrelevanten Fragestellung, z.B. sind Inhalte
- Heft 1, 2017, die Kongressrede von Prof. Dr. Vernor Munoz, dem ehemaligen UN-Sonderberichterstatter für das Menschenrecht auf Bildung sowie die Gründungserklärung des Bündnisses.
- neu Heft 10, 2025, Prof. Dr. Marcel Helbig "Wenn die am wenigsten Begünstigten die größten Nachteile haben".
- alle Hefte der Schriftenreihe s.u. im Download
- Pressemitteilungen und Stellungnahmen zu inklusionsrelevanten bildungspolitischen Entwicklungen, z.B. den Empfehlungen des UN-Fachausschusses zur Umsetzung der UN-BRK.
- Unterstützung der durch Initiative von BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN geforderten Enquête-Kommission des Deutschen Bundestags zur endlichen Umsetzung der 2009 (!) für Deutschland ratifizierten UN-BRK.
Vorstellung des Bündnisses mit einem kleinen Rückblick in die Entstehungsgeschichte
Ende der 90er Jahre entstand die Initiative „Länger gemeinsam lernen“ in der Zusammenarbeit von GSV, GGG, GEW und vielen weiteren Organisationen/Gruppierungen der Pädagogen-Eltern-Kinder-NGOs (insgesamt 18) mit der gemeinsamen Grundsatzposition, dass unser Schulsystem in einem demokratischen und am humanistischen Menschenbild orientierten Deutschland ein positives Verhältnis zu Heterogenität entwickeln und vermitteln muss. Heterogenität, also Unterschiedlichkeit in Interessen und Fähigkeiten, Wissen und Können, Herkunft, persönlichen und sozialen Voraussetzungen der Menschen ist Charakteristikum einer jeden Gesellschaft. Schule hat sich deshalb die Aufgabe zu stellen, den Umgang mit dieser Heterogenität zu lehren, zu praktizieren und als Chance zu nutzen, indem alle Kinder und Jugendlichen in gleicher Wertschätzung mit- und voneinander lernen.
Das gegliederte deutsche Schulwesen kann dieser Aufgabe nicht gerecht werden, weil es die Heterogenität „herausorganisiert“ und die Unterschiedlichkeit mit auf- und abwertender Wertschätzung in verschiedenen „Oberschulen“ etikettiert und ein umfangreiches „Förderschul“-System erhält, durch das Kinder und Jugendliche mit Beeinträchtigungen von der breiten, gemeinsamen Allgemeinbildung ausgeschlossen werden. Die Integrations-Inklusionsbewegung trat dem ab Mitte der 70er Jahre entgegen mit der Gründung der ersten „integrativen“ Grundschulen in (West-)Berlin. Diese Bewegung war eine wesentliche Wurzel der Initiative „Länger gemeinsam Lernen“.
Erforderlich ist also eine gemeinsame Schule für alle für die Dauer der Pflichtschulzeit, innerhalb derer im Mit-und-Voneinander-Lernen sowie durch vielfältige Formen von Differenzierung sowohl individuelle als auch soziale Potenziale entwickelt und gefördert werden. Die 2006 verabschiedete UN-Behindertenrechtskonvention (UN-BRK), vom Deutschen Bundestag 2009 ratifiziert, fordert dementsprechend die Teilhabe auch aller Kinder und Jugendlichen mit Beeinträchtigungen an der allgemeinen Schule. Viele Länder der Welt liefern bereits entsprechende überzeugende Schul-Vorbilder.
Auch in Deutschland gibt es inzwischen eine Anzahl dieser reformorientierten inklusiven Langformschulen, wissenschaftlich begleitet und bereits vielfach ausgezeichnet mit Schulpreisen. Dennoch verhindern die bildungspolitischen Entscheidungsträger:innen immer wieder die Umwandlung unseres Schulsystems nach diesen Vorbildern.
Von der Initiative zum Bündnis: Die Organisation der 18 Mitglieder der Initiative erwies sich im Laufe der Jahre als zunehmend schwierig bei der gemeinsamen Planung und Durchführung von Aktivitäten - eine allgemeine Erfahrung in solch umfangreichen Initiativen; die Bewegung drohte zu versanden. Eine Gruppe aktiver Mitglieder aus dem NRW-Bündnis „Eine für alle“, GSV, GGG, GEW, AHS und PogA organisierten deshalb 2016 einen bundesweiten 2-tägigen Kongress an der Uni Frankfurt/M. mit internationalen Referent:innen zum Anspruch der Transformation des deutschen Schulsystems in ein demokratisches, nicht auslesendes. Hauptredner war Prof. Dr. Vernor Munoz, der ehemalige UN-Sonderberichterstatter für das Menschenrecht auf Bildung.
Mit diesem Kongress begann die Arbeit des Bündnisses „Eine für alle – Die inklusive Schule für die Demokratie“ mit der Selbstverpflichtung, „an der Überwindung des gegliederten Schulwesens mitzuarbeiten und dafür gesellschaftliche Mehrheiten zu gewinnen“.
Kontaktadresse für den Grundschulverband e.V.:
Ulla Widmer-Rockstroh, Berlin
